Die Shootingstars MISSIO aus Austin, Texas haben am 19. Mai 2017 ihr grandios ehrliches Debütalbum „Loner“ herausgebracht (als Review hier schon vorgestellt). Das überzeugt durch düstere Sounds und dröhnende Elektro-Beats und enthält unter anderem auch den Track „Middle Fingers“, der mittlerweile zu einer Art „musikalischem Markenzeichen“ von Sänger/Songschreiber Matthew Brue und Produzent/Instrumentalist David Butler geworden ist. Dazu konnte der Song bereits die Top 10 der Billboard Alternative Songs Chart erreichen und wurde von dem Duo gerade erst in der Late-Night-Show ‚CONAN’ von US-Moderator Conan O’Brien performt. Der musikalische Erfolgszug von MISSIO ist also nicht aufzuhalten!

Im Interview mit music-allnew.com verrät Sänger Matthew Brue – der eigenen Angaben nach übrigens seit mehr als sechs Jahren clean ist – wie „Middle Fingers“ entstand, wozu das Album Hörer inspirieren soll, welcher Song dabei der Herausforderndste war und was der Manchester-Terror für sie bedeutet.

„Middle Fingers“ ist zu eurem „Signature Song“ geworden und einer Art Rebellionshymne der Jugend. Wie genau kam es zu dem Track?

Wir haben mit einem Produzenten, Dwight Baker, zusammengearbeitet, der uns die Anweisung gab, die Grenzen der Art von Songs zu sprengen, die wir bis zu diesem Punkt geschrieben hatten. Es war das erste Mal, das David und ich uns zusammengesetzt hatten, um einen Song zu schreiben (statt unserer normalen Routine, alleine zu schreiben und uns dann den Song gegenseitig auszuhändigen). Wir sprachen darüber, wie wir uns zu dieser Zeit gerade emotional fühlen und „I’ll just keep on throwing middle fingers in the air“ kam heraus.

Die Texte zu euren Songs auf eurem Debütalbum „Loner“ sind alle brutal ehrlich. Gab es dabei einen Track auf dem Album, bei dem es euch besonders schwer fiel, den auf Papier zu bringen?

Der vom Text her herausforderndste Song ist unser Song „Everybody Gets High“. Er ist so echt und ehrlich wie ich über mein Leben nur sein könnte. Im gegenwärtigen Augenblick fühle ich mich allerdings sehr wohl dabei, völlig ehrlich mit den Leuten zu sein. Ich glaube, Ehrlichkeit fehlt in dieser Welt. Ich will, dass MISSIO in dieser Hinsicht einen Teil dazu beiträgt.

Die Songs auf eurem Debütalbum thematisieren unter anderem Drogen- und Alkoholsucht (zum Beispiel „Everybody Gets High“ und „DWI“) und sind dementsprechend ziemlich düster. Welche Botschaft würdet ihr euch wünschen, dass Fans sie aus eurer Musik mitnehmen?

Wir wollen, dass die Leute wissen, dass sie mit ihren persönlichen Problemen nicht alleine sind. Nach Jahren mit meinen eigenen Süchten fühlte ich mich immer isoliert und missverstanden, so als ob es keine anderen Leute gäbe, die mit den gleichen Dingen zu kämpfen haben. Wenn eine Person das Gefühl hat, dass sie ihre [persönlichen] Probleme mit einer anderen Person teilen muss, nachdem sie dieses Album gehört hat, würden wir beide das als einen Erfolg ansehen.

Wie geht ihr vor, wenn ihr einen Song schreibt? Kommt die Melodie zuerst oder der Text?

Wir beginnen normalerweise mit der Musik und finden die Stimmung [des Songs]. Der Text wird dann in die Produktionselemente des Songs angepasst. Gelegentlich beginne ich einen Song auf der Basis eines Textes, den ich mir ausgedacht habe.

Was ist die Geschichte hinter eurem Bandnamen „MISSIO“?

MISSIO ist ein lateinischer Ausdruck, der „Mission“ bedeutet. Meine Schwester hat mir vor einigen Jahren eine Redewendung mit „Missio“ darin geschickt und diese half mir während meines Heilungsprozesses. Als ich anfing, über Bandnamen nachzudenken, wusste ich, dass das der richtige Name war.

Welche musikalischen Vorbilder habt ihr und mit wem würdet ihr gerne einmal zusammenarbeiten?

Unsere musikalischen Einflüsse variieren immens. Radiohead, Jay Z, Missy Elliot, Sufjan Stevens, Sigur Ros, Son Lux…die Liste geht immer weiter. Wir würden beide gerne mit Kendrick Lamar zusammenarbeiten. Das wäre auf jeden Fall ein Punkt auf der Wunschliste!

Ihr spielt momentan viele Shows. Was war bis jetzt euer verrücktestes Erlebnis während dieser Zeit auf Tour?

Ich würde uns als eine sehr biedere Band bezeichnen. Wir nehmen das, was wir machen, sehr ernst und möchten es so wie unseren Job behandeln. Wenn wir arbeiten, machen wir nicht zu viel Scheiß…Wir geben 110 Prozent und erst in unserer Freizeit geben wir Gas. Wenn wir je über „verrückte Erfahrungen“ sprechen ist es immer ein Resultat davon, irgendeinen krassen Fan zu treffen, der etwas Verrücktes macht. Wir lieben unsere Fans. Je verrückter sie sind, desto besser nach meiner Meinung.

Nach dem Manchester-Terror: Hat dieses schreckliche Ereignis Auswirkungen auf euch als Musiker in der Art, dass ihr jetzt ständig mit einem mulmigen Gefühl auf die Bühne geht?

Wenn solche Sachen geschehen, denken wir definitiv über die Möglichkeit nach, dass so etwas passieren könnte. Es ist in der heutigen Zeit eine sehr traurige Realität. Wir gehen trotzdem nicht mit einem mulmigen Gefühl auf die Bühne…jedenfalls bisher noch nicht. Unsere Gedanken sind bei jeder betroffenen Familie oder Opfern jeder dieser tragischen Geschehnisse.

Plant ihr in der Zukunft auch irgendwann in Deutschland aufzutreten?

Wir werden mit Sicherheit dort sein! Bisher gibt es noch keine Daten aber Deutschland…wir sind auf dem Weg!