Am 13. Oktober hat Sänger/Songschreiber Astral Taurus (aka André Kretschmar) aus Tübingen seine Debüt-EP „Monolith“ veröffentlicht. Diese ist auf allen digitalen Outlets und physisch hier erhältlich.

Seine tolle Voraus-Auskopplung mit dem Titel „Supercluster“ erregte zuvor schon große Aufmerksamkeit bei zahlreichen Musikfans. Diese Begeisterung setzte sich dann bei Veröffentlichung seiner vier Tracks starken EP durch diverse Blogs und Magazine fort.

Das sehr empfehlenswerte Werk überzeugt nicht nur mit einem gerade ziemlich angesagten 80er-Synthie-Sound, sondern auch mit einer melancholisch-träumerischen Atmosphäre. Die etwas düstere musikalische Stimmung passt dann auch zu den tiefgründigen Themen der Songs, die Gefühle von Unzugehörigkeit, Misstrauen und Meinungen zum Leben nach dem Tod behandeln.

Im Interview mit music-allnew.com spricht der aufstrebende Newcomer darüber, warum er bewusst auf Englisch singt, seine Debüt-EP, seine Ansicht zu Castingshows, mit wem er gerne einmal zusammenarbeiten würde, die Faszination an der Musik der 80er und seine weiteren musikalischen Pläne.

Was genau steckt hinter Deinem Namen Astral Taurus? Zunächst impliziert das ja etwas Astrologisches. Und warum hast Du dich dafür entschieden, nicht unter Deinem eigentlichen Namen als Musiker aufzutreten?

Ja, der Wink zum Astrologischen war tatsächlich unbeabsichtigt und hat auch nicht wirklich etwas mit der Musik oder den Texten zu tun, ist mir aber, nachdem ich den Namen gefunden habe, auch aufgefallen. Der Name ist entstanden bei der Suche nach einem Banner unter den ich meine Musik stellen konnte, der zum einen etwas Erhabenes, dafür Astral, und zum anderem etwas Erdiges ausdrücken würde – Taurus.

Astral Taurus sollte grundlegend genau so fungieren wie meine Musik selber, jeder hört den Namen mit seinen eigenen Ohren und malt sich sein eigenes gedankliches Bild dazu. Grundsätzlich war mir aber wichtig, etwas zu haben, das grundlegend die zwei Seiten unserer Existenz gegenüberstellt. Eine Seite drückt die objektive, unbestreitbare Seite der Natur aus, unserer Herkunft, dem All, den Sternen. Die andere drückt das aus, was der Mensch bislang davon versteht oder sogar nur hineinzuinterpretieren vermag: Taurus.

Häufig wird ja von Musikexperten à la Dieter Bohlen propagiert, man könne derzeit als Musiker, der aus Deutschland kommt, nur Erfolg haben, wenn man auf Deutsch singt.

In Deutschland ist es wie gesagt tatsächlich nicht so leicht glaube ich. Für mich persönlich ist das okay. Jeder hat seinen eigenen Musikgeschmack und in Deutschland ist es momentan nun mal so, dass der deutschsprachige Markt von Schlager, Deutsch-Rap und teilweise deutschen Singer-Songwritern dominiert wird.

Strebst Du eine internationale Karriere an?

Gerade mit englischsprachiger aber gleichzeitig deutschstämmiger Musik ist es eigentlich klar, dass man es in Deutschland schwer haben könnte, als Künstler Fuß zu fassen. Es ist möglich, aber man muss schon wirklich Glück haben. Außerdem unterscheidet sich die künstlerische Identität, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten in Deutschland Erfolg gehabt hat, stark von meiner eigenen. Da fühle ich mich nicht nur als Künstler, sondern auch als Musikfan auf dem internationalen Markt richtig aufgehoben, also ja.

Warum hast Du dich bewusst dafür entschieden, auf Englisch zu singen?

Ich persönlich war nie ein guter Texter auf Deutsch. Auf Englisch ist das eine ganz andere Geschichte. Obwohl die deutsche Sprache einen sehr umfangreichen Wortschatz besitzt, kann ich meine Gefühle sehr viel besser auf Englisch aufs Papier bringen. Es gibt einfach Phrasen, die in deutsch sehr kitschig klingen würden und da fühle ich mich als Texter schnell eingeschränkt. Außerdem klingt die englische Sprache meiner Meinung nach sehr viel schöner als die deutsche – aber das ist natürlich Ansichtssache.

Könntest Du dir vorstellen, trotzdem einmal einen deutschen Song zu singen oder schließt du das für die Zukunft kategorisch aus?

Ich schließe grundsätzlich nichts aus, aber es ist sehr unwahrscheinlich.

Apropos Dieter Bohlen: Was hältst du von Castingshows und würdest Du an einer teilnehmen wollen? 

Castingshows haben bei mir persönlich einen sehr bitteren Nebengeschmack, weil sie augenscheinlich einen neuen „Star“ aufbauen, ihn aber nach einem Song oder Album direkt wieder fallen lassen und die Leute ihn oder sie vergessen.

Ich spreche da auch nur aus der Perspektive eines Musikfans. Als Sänger bin ich sowieso nicht das Kaliber, das dort weiterkommt und auch wenn, wäre es nichts für mich. Mir ist der künstlerische Anspruch viel zu wichtig dafür, Musik als pures Entertainment an ein musikalisch eher unanspruchsvolleres Publikum zu verkaufen.

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Mit ungefähr sieben Jahren hab ich angefangen, akustische Gitarre zu spielen, mit etwa 14 dann Schlagzeug, mit einem E-Drum-Set zu Hause. Ich bin mit 17 schließlich regelmäßig in den Plattenladen gegangen, um mich nach Musik umzuschauen, die ich noch nicht kannte. Was ich dort nicht finden konnte, habe ich online entdeckt. Dadurch konnte ich einen recht weiten Musikgeschmack und ein recht großes Spektrum in meiner Plattensammlung entwickeln.

Was sind Deine musikalischen Vorbilder? 

Songwriter zu denen ich sehr aufschaue sind vor allem Leute wie Brandon Flowers, Noel Gallagher und natürlich Bruce, the Boss.

Mit wem würdest Du gerne einmal zusammenarbeiten?

Bei mir ist es ja so, dass ich mich dafür entschieden habe, meine Musik erstmal selber zu produzieren. Aus vergangenen Erfahrungen hat sich das als die ideale Lösung herauskristallisiert. Trotzdem – wenn man mal träumen darf – wäre es echt mal interessant zu sehen, was ein Produzent wie z.B. Brian Eno aus den eigenen Songs machen würde und wie er eine Komposition inszenieren würde und Sachen heraushört, auf die man selbst nie gekommen wäre.

Kannst du ein bisschen was zu deiner Debüt-EP „Monolith“ erzählen, die am 13. Oktober herauskam? 

„Monolith“ ist neben meiner ersten EP auch noch meine erste eigene Produktion; ich habe vor einem Jahr schon ein Demoalbum gemacht aber das war keine richtige „Audioproduktion“ mit akustischer Schlagzeugaufnahme und dergleichen. Als ersten Tonträger wollte ich eine Platte machen, die sowohl musikalisch als auch lyrisch so viele Fassetten von mir aufzeigt, wie es im Rahmen einer 4-Song EP geht und gleichzeitig ein monolithisches Werk zu haben, das aus einem Guss stammt.

Die vier Songs darauf sind ja eher dem düsteren Bereich zuzuordnen und Deine Texte sind sehr tiefgründig.

Das etwas Düstere kam tatsächlich einfach so. Für mich persönlich ist es auch gar nicht mal so düster, wenn ich es mit anderen Sache vergleiche, die ich so höre. Als ich mit dem Projekt angefangen habe und angefangen habe zu Texten ist das direkt so aufs Blatt gekommen. Für mich ist das Wichtige an Texten, dass sie ehrlich sind und nichts vorspielen. Ich bin aber selber gespannt, in welche Richtung sich das bei meinen Texten in Zukunft bewegt.

Schreibst und produzierst Du Deine Songs grundsätzlich alle selbst und stammen die Texte immer aus persönlichen Erfahrungen?

Drei mal ja. Das mit dem Produzieren mache ich wie gesagt bis jetzt noch selber, mal schauen wie das in Zukunft wird. Es ist eine sehr angenehme Art zu arbeiten. Das war auch der Grund, wieso ich mich als Person, die zuvor in Bands tätig war dazu entschlossen habe, ein Soloprojekt zu machen. Die Inspiration und wie du sagst die persönlichen Erfahrungen sind natürlich ein wichtiger Punkt, und ich habe das Glück, das alles in Songs verarbeiten zu können.

Hast Du dabei zuerst die Idee für die Melodie oder steht der Text am Anfang und ist düsterer Elektropop auch in Zukunft die Richtung, die Du musikalisch einschlägst? 

Es kommt ganz darauf an, manchmal ist es ein Riff oder eine Textzeile die mir einfällt und auf die dann ein ganzer Song folgt. Es ist echt ganz unterschiedlich. Ich würde meine Richtung nicht unbedingt als Elektropop bezeichnen, dafür sind einfach noch zu viele akustisch aufgenommene Elemente mit dabei: Drums, Gitarre, Piano und so weiter.

Wie der Stil sich weiterentwickeln wird, wird man sehen – ich bin selbst gespannt. Die Grundcharakteristika von Astral Taurus, die auch schon auf der EP zu hören sind, wird man bei der nächsten Platte aber sicherlich ebenfalls ausmachen können.

Hast Du einen Lieblingssong auf der EP und wenn ja, warum ist der so besonders für Dich?

Einen Lieblingssong nicht direkt. Für mich sind alle Songs etwas Besonderes. Musikalisch bin ich mit „Supercluster“ aber sehr zufrieden, weil er genau das ist, was ich vor hatte zu schreiben, als ich die Idee dazu hatte. Textlich sind ebenfalls alle Songs sehr bedeutsam für mich, mit „Mirage“ war ich aber besonders zufrieden – vor allem, weil er in einer Session entstanden ist und ich genau das, was ich erzählen wollte, aufs Papier gebracht habe.

Welche Single-Veröffentlichung ist als nächstes geplant? 

Eine weitere Single-Veröffentlichung ist bislang nicht geplant, „Supercluster“ war ja der Song, der vorausgehend zur EP veröffentlicht wurde. Wenn ich jedoch eine wählen müsste, wäre es „Chosen One“, der Closing-Track der EP.

Aus Deinen Songs sind 80er-Jahre-Einflüsse herauszuhören. Was fasziniert Dich an der Musik aus diesem Jahrzehnt?

Die Musik aus dieser Zeit hat einfach etwas Magisches. Natürlich nicht absolut alles aus der Zeit, genau wie heute. Aber das, was nach all den Jahren noch gehört wird, wird denke ich zu Recht noch gehört. Kate Bush, Stevie Nicks, Peter Gabriel und so weiter.

Ich bin ehrlich gespannt, welche Künstler und Alben aus der heutigen Zeit man in 30 bis 40 Jahren noch hören wird und diese Zeit definieren werden, wenn überhaupt. Die Musik aus den 80ern hat aber schon solange ich denken kann eine magnetische Wirkung auch mich, ich weiß auch nicht wieso.

Ich fühle mich aber oft im falschen Jahrzehnt geboren, die Ära hatte einfach irgendwie etwas Unbeschwingliches und Freies, zu dem ich mich sehr hingezogen fühle. Der Umgang miteinander war anders.

Was ist Deiner Meinung nach der Grund dafür, dass Einflüsse der 80er in der aktuellen Musik / bei einigen Bands derzeit so populär sind?

Trends wie Mode oder Musik durchlaufen ja grundsätzlich Zyklen, sie kommen und gehen irgendwann, um dann einige Jahrzehnte später wieder aufzuleben. Für mich war bereits 2012 klar, dass ich diese Richtung einschlagen würde, weil es einfach Teil meiner Identität ist. Damals, als ich noch in einer Band gespielt habe, wollte das sonst niemand. Deswegen hat es für mich auch ein, zwei Jahre länger gedauert, um musikalisch dort anzukommen, wo ich jetzt bin und dort, wo ich mich wohl fühle.

Ich verstehe natürlich, was man unter dem typischen „80s-Sound“ versteht, für mich ist es aber einfach nur gute Musik mit einem Klangbild, das sich an einem sehr reichen Soundbaukasten bedient und mit dem ich mich am besten identifizieren und ausdrücken kann.

Was hat sich seit der Veröffentlichung Deiner EP bei dir getan? Wie ist die Resonanz darauf?

Die Resonanz von Kritikern sowie Hören war wirklich sehr gut, was mich natürlich riesig freut. Einige Online-Blogs und Magazine haben die EP angehört und reviewt oder ihren Lesern empfohlen. Es ist schön, wenn man eine längere Zeit bis ins letzte Detail an etwas tüftelt und es dann auch gut aufgenommen wird.

Planst du vielleicht auch bald eine kleine (internationale) Tour? Was sind generell Deine nächsten musikalischen Pläne?

Wir planen auf jeden Fall, nächstes Jahr Konzerte zu spielen. In welchem Rahmen das stattfinden wird, kann ich leider noch nicht sagen aber wir freuen uns natürlich über alle Anfragen und arbeiten auch daran, so viel zu spielen wie uns ermöglicht wird. Dazu werden wir die Fans natürlich immer auf dem aktuellen Stand halten.

Und zum Abschluss: welche Songs von welchen Interpreten hörst Du auf Deinem iPhone oder MP3-Player gerade rauf und runter?

Weil zum Glück eine meiner Lieblingsbands The Killers vor einigen Wochen ihr neues Album veröffentlicht haben, läuft vor allem das gerade auf Dauerschleife. Die Band Alvvays, auf die ich vor einigen Monaten gestoßen bin, hat kürzlich auch ein sehr gutes Album raus gebracht, das ich nur empfehlen kann.

Vielen Dank für das Interview.

Hat mich gefreut, vielen Dank!